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Naumann, Ursula

Euphrat Queen. Eine Expedition ins Paradies.

Beck 2006 Artikelnummer: 90950

Im Frühjahr 1836 fuhren zwei englische Dampfschiffe den Euphrat abwärts. Mit an Bord befinden sich zwei deutsche Passagiere, ein junger Arzt und seine in Männerkleidern mit ihm reisende Frau Pauline. Die Reise ins Paradies wird zur Höllenfahrt.

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Im Frühjahr 1836 fuhren zwei englische Dampfschiffe den Euphrat abwärts, vorbei an den melancholischen Ruinen uralter Hochkulturen. Mit der Leitung des Unternehmens war Colonel Francis Rawdon Chesney betraut, ein kleiner dickschädeliger Ire, der sich dieser Aufgabe mit mehr Herz als Kopf und wahnwitziger Zähigkeit verschrieb. Als die Flußfahrt nach immensen Anstrengungen tatsächlich beginnt, ist auch ein deutsches Ehepaar mit dabei, das Forschungsdrang, treue Liebe und abenteuerliche Zufälle an Bord gebracht haben. Doch was als Demonstration überlegener westlicher Technik gedacht war, endet in einem Desaster. Die Reise ins Paradies wird zur Höllenfahrt.
Es ist ein Unternehmen von staunenswürdiger Exzentrik. Zwei eiserne Dampfschiffe, Euphrates und Tigris, werden in England gebaut, auseinandergenommen, verschifft, auf dem Landweg zum Oberlauf des Euphrat gebracht und dort wieder zusammengesetzt – was alles leichter gesagt als getan ist. Allein zum Transport des schwersten Dampfkessels braucht man 104 Ochsen und 52 Treiber. Endlich, am 16. März 1836, beginnt die Reise zu Schiff. Mit an Bord befinden sich zwei deutsche Passagiere, ein junger Arzt und seine in Männerkleidern mit ihm reisende Frau Pauline. Mißtrauisch beäugt von der Bevölkerung kämpfen sich die beiden Dampfer lange Wochen flußabwärts. Die Pannen häufen sich, die Spannungen an Bord wachsen, die Männer träumen von Pauline, und Chesney wird immer frustrierter und deprimierter, zermürbt von Malariaanfällen, bis die Katastrophe eintritt: Ein Sturm versenkt die Tigris – mit sämtlichen Ersatzteilen und dem meisten Gepäck. Sie kann nicht geborgen werden. Im Mittelpunkt dieser „wahren Reisegeschichte“ stehen zwei Figuren: der Expeditionsleiter Chesney, eine Figur wie aus einem Film von Werner Herzog, besessen, verrückt, cholerisch, romantisch und manchmal von kindlicher Reinheit, und die schöne, gescheite und couragierte Pauline, die sich unterwegs lebhaft für die Lage ihrer orientalischen Geschlechtsgenossinnen interessiert und sich dabei ihrer eigenen Stellung bewußt wird. Mit den Männerkleidern gewinnt sie eine Unabhängigkeit, die sie auch dann bewahrt, als die Konvention sie in Form eines steifen Fischbeinkorsetts wieder einfängt.
Colonel Chesneys Euphrat-Expedition ist heute vergessen. Seinerzeit erregte sie Aufsehen, die Presse berichtete regelmäßig, und man maß ihr allergrößte, ja welthistorische Bedeutung zu. Ursula Naumanns Buch lässt uns eine interessante und kuriose Geschichte wiederentdecken. Die Einschätzung der vorgefundenen Verhältnisse, der Ereignisse und Begebenheiten durch die Reisenden und die Art der seinerzeitigen Dokumentation zeigen aber auch - bei allen zeit- und situationsbedingten Unterschieden - im Kleinen jene Verschränkung von imperialer Expansionspolitik und zivilisatorischer Mission, von Sendungsbewußtsein und Gewinnstreben, die bis heute vielfach die Beziehung zwischen Orient und Okzident prägt.
Ursula Naumann, geboren 1945 in Görlitz, promovierte mit einer Arbeit über Jean Paul. Sie schrieb über Stifter, Charlotte von Kalb, Caroline von Wolzogen und edierte Briefe von Annette von Droste-Hülshoff und Schiller. Sie lebt als freie Autorin in Baiersdorf.